Faltenbalgventile: Die sichere Lösung für dichte Prozesse
Wer in seiner Anlage auf absolute Dichtheit angewiesen ist, kommt am Faltenbalgventil kaum vorbei. Egal ob in der Chemieindustrie, in Kraftwerken oder in sensiblen Bereichen der Pharma-Produktion – sobald giftige, aggressive oder hochreine Medien im Spiel sind, wird ein konventionelles Ventil schnell zum Risiko. In diesem Artikel zeigen wir, wie ein Faltenbalgventil funktioniert, warum es ein echtes Sicherheitsventil ist und in welchen Anwendungen es unverzichtbar wird.
Was ist ein Faltenbalgventil?
Ein Faltenbalgventil ist ein spezielles Industrieventil mit einem dicht verschweißten Metallbalg, der den Bereich zwischen Ventilschaft und Gehäuse hermetisch abschließt. Dadurch wird sichergestellt, dass kein Medium nach außen dringen kann – selbst bei starker Beanspruchung oder aggressiven Medien. Der Begriff „Faltenbalg“ beschreibt dabei die flexible Metallmembran, die sich wie eine Ziehharmonika ausdehnen und zusammenziehen kann. Sie ist typischerweise aus rostfreiem Stahl gefertigt und beidseitig verschweißt. Die Konstruktion eliminiert bewegliche Dichtstellen dabei vollständig.
Wie funktioniert ein Faltenbalgventil?
Im Inneren des Ventils übernimmt der Faltenbalg die Abdichtung zur Atmosphäre. Er ist fest mit dem Schaft und der Haube verbunden. Wenn sich der Schaft bewegt – also das Ventil öffnet oder schließt –, dehnt sich der Faltenbalg entsprechend aus oder zieht sich zusammen. Das Medium bleibt dabei zu 100 % eingeschlossen.
Diese Konstruktion ersetzt die klassische Stopfbuchse und macht das Ventil wartungsfrei und extrem dicht. Das Faltenbalgventil ist damit ideal für Prozesse mit höchsten Anforderungen an Sicherheit und Umweltverträglichkeit.
Damit das Ventil auch bei häufigem Fahren zuverlässig dicht bleibt, muss der Balg eine definierte Länge aufweisen. Als Faustregel gilt: etwa das Zehnfache des Hubwegs. So sind bis zu 200.000 Schaltzyklen möglich, ohne dass Wartung oder Nachstellen erforderlich wird.
Welche Arten von Faltenbalgventilen gibt es?
Je nach Einsatzbereich kommen unterschiedliche Bauformen zum Einsatz:
- Einwandige Faltenbälge – für Standardanwendungen mit moderatem Risiko.
- Doppelwandige Faltenbälge – mit zusätzlicher Sicherheitsbarriere bei toxischen oder krebserregenden Medien.
- Kombination mit Stopfbuchse – für TA-Luft-konforme Anwendungen mit doppelter Dichtung
Besonders bei extremen Prozessbedingungen, z. B. polymerisierenden, stark viskosen oder feststoffbeladenen Medien, ist die Kombination mit zusätzlichen Dichtungssystemen wie Sicherheitsstopfbuchsen sinnvoll.
Ausführungen & Antriebsarten von Faltenbalgventilen
So vielfältig wie die Einsatzgebiete eines Faltenbalgventils sind auch die Ausführungen. Denn je nach Medium, Temperatur, Druckstufe oder Automatisierungsgrad muss das Regelventil optimal zur Anlage passen. Die richtige Kombination aus Bauform, Nennweite und Antrieb ist entscheidend für einen sicheren, effizienten und langlebigen Betrieb.
Antriebsarten: Manuell oder automatisiert
Faltenbalgventile lassen sich auf unterschiedliche Weise betätigen – von klassisch bis vollautomatisiert:
Die Wahl des Antriebs hängt stark vom Einsatzzweck und den Anforderungen an Reaktionszeit, Steuerbarkeit und Automatisierungsgrad ab.
Nennweiten: Für kleine und große Volumenströme
Auch bei der Dimensionierung bieten Faltenbalgventile viel Flexibilität. Typische Nennweiten (DN) liegen zwischen DN 15 und DN 300. Sie sind angepasst an:
- den gewünschten Volumenstrom
- den Betriebsdruck
- die Viskosität und Beschaffenheit des Mediums
So lassen sich Faltenbalgventile sowohl in kompakten Laboranwendungen als auch in großtechnischen Industrieanlagen sicher und passgenau integrieren.
Warum ist das Faltenbalgventil ein sicherheitsrelevantes Ventil?
Bei der Verarbeitung von toxischen, explosiven oder krebserregenden Stoffen darf kein Medium nach außen entweichen. Faltenbalgventile sorgen genau dafür. Durch die metallisch dichte Trennung zwischen Medium und Umgebung erfüllen sie selbst strengste Umweltauflagen wie die TA-Luft – und das ohne regelmäßiges Nachziehen oder Dichtungswechsel.
Gut zu wissen: Die TA-Luft empfiehlt bei krebserregenden oder giftigen Medien explizit den Einsatz von Balgabdichtungen oder gleichwertigen Dichtungssystemen. Während klassische Stopfbuchsen nach kurzer Zeit nachjustiert werden müssen, bleiben metallische Faltenbälge über Jahre hinweg stabil dicht. Immer unter der Voraussetzung, dass sie korrekt dimensioniert und installiert sind.
Die Vorteile eines Faltenbalgventils auf einen Blick
- extrem niedrige Leckagewerte
- wartungsfrei – kein Nachstellen der Packung notwendig
- erfüllt TA-Luft-Anforderungen
- geeignet für Hoch- und Tieftemperaturen
- lange Lebensdauer (bis zu 200.000 Schaltzyklen)
- kein Mediumverlust, keine Emissionen
- korrosionsbeständig und robust gegenüber Temperaturschwankungen
In welchen Branchen werden Faltenbalgventile eingesetzt?
Faltenbalgventile kommen überall dort zum Einsatz, wo absolute Dichtheit, hohe Betriebssicherheit und Beständigkeit gegenüber aggressiven, toxischen oder sensiblen Medien erforderlich sind. Typische Branchen und Anwendungen:
Chemische Industrie
- Medien: z. B. Chlorgas, Schwefelsäure, Laugen
- Anforderungen: hohe Korrosionsbeständigkeit, Emissionsfreiheit, Personalschutz
Pharmazeutische Industrie
- Medien: toxische, sterile oder empfindliche Flüssigkeiten
- Anforderungen: kontaminationsfreier Betrieb, CIP-/SIP-Reinigung, Reinraumtauglichkeit
Petrochemie & Raffinerien
- Medien: brennbare, explosive Gase oder Flüssigkeiten
- Anforderungen: ATEX-konforme Dichtung, hohe Temperatur- und Druckbeständigkeit
Umwelt- & Verfahrenstechnik
- Medien: Prozesswässer, Abwässer, aggressive Chemikalien
- Anforderungen: Langlebigkeit, chemische Resistenz, sicherer Dauerbetrieb
Fazit
Faltenbalgventile sind die erste Wahl, wenn es um sichere, dichte und wartungsfreie Absperr- oder Regelventil geht. Sie erfüllen höchste Anforderungen an Dichtheit und Umweltstandards – und das über viele Jahre hinweg.
Dank intelligenter Konstruktion, hochwertiger Werkstoffe und strenger Normen (z. B. TA-Luft) sichern sie Prozesse zuverlässig ab – selbst unter extremen Bedingungen. Ob bei aggressiven Medien, hohen Temperaturen oder empfindlichen Substanzen: Auf das Faltenbalgventil ist Verlass.
FAQ zum Faltenbalgventil
Die Druck- und Temperaturbeständigkeit hängt vom Material und der Ausführung ab, liegt aber typischerweise bei bis zu 100 bar und Temperaturen von -200 °C bis 400 °C. Exakte Werte sind der jeweiligen Produktspezifikation zu entnehmen. Sonderausführungen können auch höhere Anforderungen erfüllen.
Faltenbalgventile bieten eine besonders hohe Dichtheit, da der Faltenbalg den Medienaustritt verhindert. Im Vergleich zu Stopfbuchspackungen oder anderen Dichtmechanismen sind sie zuverlässiger bei kritischen Medien. Dadurch eignen sie sich ideal für Anwendungen, bei denen absolute Leckagefreiheit gefordert ist.
Wichtige Normen umfassen z. B. DIN EN 12266 für die Dichtheitsprüfung und ASME B16.34 für Konstruktionsanforderungen. Auch branchenspezifische Normen wie die TA-Luft für Emissionsschutz oder ATEX für Explosionsschutz können relevant sein. Die Einhaltung solcher Standards wird in der Regel in technischen Datenblättern dokumentiert.
Faltenbalgventile sorgen durch ihre hohe Dichtheit und zuverlässige Funktion für minimale Leckageverluste und dadurch optimierte Prozesssicherheit. Sie reduzieren Wartungsaufwand und Stillstandszeiten, was die Gesamteffizienz einer Anlage steigert. Ihre lange Lebensdauer trägt zusätzlich zur Wirtschaftlichkeit bei.
Faltenbalgventile eignen sich für Flüssigkeiten, Gase, Dampf und chemisch aggressive Medien. Sie können auch in Hochvakuum-Anwendungen eingesetzt werden. Die Medienverträglichkeit hängt von den verwendeten Materialien wie Edelstahl, PTFE oder anderen Beschichtungen ab.
Der metallische oder elastische Faltenbalg dichtet die beweglichen Teile des Ventils vollständig ab und verhindert so den Medienaustritt. Diese Konstruktion eliminiert typische Schwachstellen wie Stopfbuchspackungen. Dadurch wird die Leckagefreiheit auch bei hohen Drücken und Temperaturen gewährleistet.
Häufige Fehlerquellen sind Materialermüdung des Faltenbalgs, unsachgemäße Installation oder mechanische Überbelastung. Diese können durch regelmäßige Inspektionen und den rechtzeitigen Austausch von Verschleißteilen behoben werden. Eine korrekte Montage und die Einhaltung der Betriebsgrenzen verhindern viele Probleme.
Für weniger dichtekritische Anwendungen können Stopfbuchsenventile verwendet werden. Die Wahl hängt von den Anforderungen an Druck, Temperatur und Dichtheit ab.